Am 8. September war es soweit: Die Architekten stellten Ihre Entwürfe zur Bebauung von Madaus-Gartenland in der Aula des Schulzentrums Ostheim vor.
Zunächst ein Schock: Viele der zahlreichen Besucherinnen und Besucher hatten eine Präsentation der Entwürfe mit der Möglichkeit zur Diskussion erwartet. Stattdessen war die Aula als Ausstellungsraum hergerichtet, in der die Besucherinnen und Besucher sich an verschiedenen Ständen die Entwürfe der einzelnen Büros anschauen konnte. Eine Diskussion auf offener Bühne war nicht geplant.
Eskalation wurde vermieden
Gleich zu Beginn machten jedoch viele Besucherinnen und Besucher klar, dass dies nicht die Form der Öffentlichkeitsbeteiligung war, die sie sich vorstellten.
Unmut erregte einerseits die Tatsache, dass in der Ausstellung viele Informationen präsentiert wurden, die im Rahmen der bereits laufenden Online-Beteiligung bislang gar nicht enthalten waren. Auch waren die Vorgaben des Architektenwettbewerbs nach Auffassung vieler Besucherinnen und Besucher fehlerbehaftet. Diese „Fehler“ wurden dann natürlich von allen Büros in Ihre Entwürfe „eingearbeitet“. Wenn beispielsweise GAG und Stadtplanungsamt in Ihren Vorgaben 0,5 Parkplätze pro Wohnung vorgeben, dann planen alle Büros natürlich dementsprechend, sodass es keinen Sinn macht, mit den Architekten einzeln über die Umsetzung dieser Vorgaben zu diskutieren. Die Veranstaltung drohte innerhalb kürzester Zeit zu eskalieren.
Grundsatzthemen separat besprochen
In dieser aufgeheizten Stimmung trafen die Vertreter von Stadtplanungsamt und GAG eine gute Entscheidung, indem beschlossen wurde, die Diskussion um die Grundsatzthemen zu Bebauung und Aufgabenstellung nach draußen zu verlegen, um denjenigen Besucherinnen und Besuchern die sich für die Entwürfe interessierten, die Möglichkeit zu geben, mit den Planungsbüros ins Gespräch zu kommen.
So folgten etwa 2/3 der Anwesenden Frau Herr und Frau Wagner vom Stadtplanungsamt und Herrn Delbrück von der GAG vor die Aula.
Hier entstand in Anwesenheit mehrere Vertreter aus Stadtrat und Bezirksvertretung eine sehr emotionale, aber auch zunehmend sachliche Diskussion. Klar wurde, dass es zum Teil unüberbrückbare Differenzen gibt. Während zum Beispiel Teile der Besucherinnen und Besucher den Erhalt der Felder als Kaltluftschneise und Lebensraum für unverzichtbar hielten, vertraten einzelne Vertreter der Politik die Meinung, dass auch klimaangepasstes Bauen mit Grünflächen und Fassadenbegrünung ausreichen, um dem Hitzeschutz Genüge zu tun. Auch zur Frage des Wohnraumbedarfs und der Eignung der Felder um diesen in angemessener Frist decken zu können, lagen die Positionen weit auseinander. Hier werden wohl noch weitere Gutachten abgewartet werden müssen, um die verschiedenen Positionen einordnen zu können.
Bürger fordern „Runden Tisch“
Klar wurde aber, dass die Bürgerinnen und Bürger sowohl eine stärkere Einbindung in die Entscheidungs- und Gestaltungsprozesse, als auch eine ganzheitliche Betrachtung des Kölner Ostens als Lebensraum fordern. Es macht keinen Sinn, Pläne der GAG zur Wohnraumentwicklung im Madaus-Gartenland zu bewerten ohne die Nahversorgung mit zu denken (für die die GAG sich nicht zuständig fühlt). Es macht auch keinen Sinn, die Verkehrsbelastung in Neubrück zu bewerten, ohne die Auswirkung der Pläne für den Brück-Rather Steinweg, den Rather Innenbereich, den Ausbau des Klinikums Merheim oder die Entwicklung des Rohde- und Schwarz-Geländes an der Olpener Straße mit zu betrachten.
Seitens der Bürgerinnen und Bürger wurde gefordert, die derzeitige „Salamitaktik“ zu beenden und einen „Runden Tisch Köln-Ost“ ins Leben zu rufen, an dem Anwohnerinnen und Anwohner aus dem gesamten Kölner Osten Ihre Vorstellungen zur Entwicklung des rechtsrheinischen Köln einbringen können. Das Stadtplanungsamt hat diese Anregungen aufgenommen und will sich mit der Umsetzung eines entsprechenden Konzeptes befassen.
Bürgerinnen und Bürger kritisieren fehlende Reaktion auf Stellungnahmen
Ein weiteres Thema, das großen Unmut auslöste, war die seit nunmehr 14 Monaten ausstehende Beantwortung der knapp 500 Eingaben aus der frühzeitigen Öffentlichkeitsbeteiligung aus dem Sommer 2025.
Zu Recht wurde hinterfragt, wie denn die Überlegungen der Anwohnerinnen und Anwohner in die Aufgabenstellung für die Architekten einfließen konnten, wenn diese bis heute noch nicht ausgewertet sind. Es wurde klar, dass neben den offenen Sachfragen vor allem die Bürgerinnen und Bürger sich nicht ernst genommen fühlten. Viele der Stellungnahmen sind mit großem Aufwand erarbeitet worden, viele Verfasser haben heute den Eindruck, diese Stellungnahmen „für den Papierkorb“ geschrieben zu haben.
Wir hatten den Eindruck, dass die Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Verwaltung diese Gefühlslage verstanden haben, und Aussagen, das nun auch kurzfristig die Ergebnisse der Auswertungen zur Verfügung gestellt und in einem iterativen Verfahren weiterbearbeitet werden sollen, lassen hoffen.
Zusammenfassend glauben und hoffen wir, dass die Beteiligten aus Politik und Verwaltung verstanden haben, dass eine stärkere Einbindung der Bürgerinnen und Bürger in Konzeption und Planung nicht mehr Arbeit bedeutet, sondern in erster Linie zu deutlich besseren Ergebnissen im Konsens mit den Betroffenen führen kann. Wir wünschen uns, dass diesen Worten nun auch sehr bald Taten folgen werden.
Nichts ist entschieden
Bereits zu Beginn der Veranstaltung wurde klar gemacht, dass es in dieser Veranstaltung ausschließlich um das „Wie“ der Bebauung geht. Diese ist nach wie vor vorrangiges Ziel von Stadtplanungsamt und der Mehrheit der politischen Vertreterinnen und Vertreter.
Trotzdem stehen noch viele Schritte vor der Bebauung:
Ohne die Änderung des Flächennutzungsplans - gegen den es nach wie vor viele gute Argumente gibt – wird es eine Bebauung auf beiden Seiten des Rather Sees nicht geben.Auch arbeiten wir weiterhin massiv daran, im Rat eine politische Mehrheit gegen die Bebauung zu finden.Aber selbst wenn unsere politischen Vertreter in Bezirksvertretung (Kalk) und Rat gegen Ihre Wähler und für einen Bebauung stimmen, haben wir über Aufsichtsbeschwerden bei der Bezirksregierung Köln, Verbandsklagen über Umweltverbände oder Normenkontrollklagen beim Oberverwaltungsgericht noch jede Menge juristische Möglichkeiten eine Bebauung zu verhindern.
Es gibt noch viel zu tun … z.B. am 25. September
Am 25. September um 18.00 Uhr wird – wieder in der Aula in Ostheim – der Siegerentwurf des Architektenwettbewerbs der Öffentlichkeit vorgestellt. Auf Basis dieses Entwurfs wird dann die weitere Planung vorangetrieben. Architekten und Jury stehen zu diesem Termin erneut der Öffentlichkeit Rede und Antwort. Bei dieser Gelegenheit – so die Vertreterinnen des Stadtplanungsamtes – sollen auch die Eingaben der Bürgerbeteiligung auf den Tisch kommen. Hier wird sich also zeigen, ob die versprochene Befassung mit den Stellungnahmen der Anlieger in die Tat umgesetzt wird.
Wir werden berichten, sobald es Neues gibt.