Auf der Hundewiese an der Hans-Schulten-Straße möchte die Stadt Köln eine Grundschule bauen. Dazu sollen die Bezirksvertretung Kalk und der Ausschuss für Stadtentwicklung im Juni einen Aufstellungsbeschluss für einen Bebauungsplan genehmigen. Findet das eine politische Mehrheit, kann die Verwaltung mit der Planung beginnen.

Das BÜNDNIS FÜR DIE FELDER sieht diese Planung sehr kritisch:
Versiegelung einer weiteren Grünfläche
Wieder geht eine Grünfläche verloren. Auch durch eine Schule entstehen versiegelte Flächen, die sich bei Sonneneinstrahlung aufheizen und verhindern, dass Regenwasser versickern kann. Nötig ist das Gegenteil: Köln muss zu einer „Schwammstadt“ umgebaut werden. Der Boden muss wie ein Schwamm Wasser aufnehmen, speichern und bei Bedarf wieder abgeben können. So verbessern wir das Stadtklima und verringern die Gefahr von Hochwasser bei Starkregen. Auch über Merheim, Neurbrück und Brück wird der nächst Starkregen niedergehen.
Planung für Grundschule auf bereits versiegelter Fläche eingestellt
Trotzdem brauchen wir – insbesondere für Merheim – weitere Grundschulplätze. Daher hat die Stadt Köln auf dem Grundstück der Kliniken in Merheim an der Ostmerheimer Straße 210 bereits 2022 mit den Planungen für eine Grundschule begonnen. Hier könnte eine Schule auf versiegeltem Gelände entstehen. Diese Planungen sind nun – für uns nicht nachvollziehbar – eingestellt. Im Planungsantrag für die Grünfläche an der Hans-Schulten-Straße heißt es nur lapidar:
„Die angedachte Planung im Aufstellungsbeschluss des Bebauungsplans „Ostmerheimer Straße – Schule“ in Köln-Merheim (rund 1.000 m Luftlinie vom Plangebiet entfernt) zur Errichtung einer Grundschule ist aufgrund der komplexen Erschließungssituation derzeit nicht realisierbar.“
Bevor die Planungen an der Hans-Schulten-Straße beginnen, muss die Verwaltung der Politik und der Öffentlichkeit ausführlich erläutert, warum eine Grundschule an der Ostmerheimer Straße 210 nicht zu realisieren ist. Ansonsten liegt der Verdacht nahe, dass mit der Bebauung einer Grünfläche der einfachere Weg gewählt wird und die Verwaltung vor schwierigen Aufgaben zu schnell kapituliert. Aus Bequemlichkeit darf Köln keine Grünfläche opfern.
Salamitaktik: Jede Grünfläche einzeln überplanen
Als weiteren Grund eine neue Grundschule zu planen, führt der Planungsantrag an:
„Zusätzlich entsteht durch die geplante Wohnbebauung am „Neubrücker Ring“ in Köln Neubrück (etwa 350 m südlich des Plangebiets) weiterer Bedarf an Grundschulplätzen.“
Zwar läuft bereits ein Architektenwettbewerb für die Bebauung von „Madaus-Gartenland“ (zwischen Neubrücker Ring, Rather Kirchweg und Rather See), gleichzeitig steht aber weiterhin die Änderung des Flächennutzungsplans aus. Viele wichtige Fragen zu Themen wie Schutz des Stadtklimas (Kaltluftschneide), Verkehrsanbindung, Lebensmittelversorgung (Supermarkt) sind nicht geklärt. Auch die Antworten auf die knapp 500 Stellungnahmen der Bürgerinnen und Bürger im Rahmen der Öffentlichkeitsbeteiligung zur Planung von „Madaus-Gartenland“ aus dem Sommer 2025 stehen weiterhin aus.
Bei diesem Sachstand ist die Planung einer neuen Grundschule eine weitere Einzelmaßnahme, die eine übergreifende Stadtentwicklung für die Menschen in Brück, Neubrück und Rath/Heumar aus dem Blick verliert.
Grundschule mit integrierter Straßenbahn
Dazu passt, dass die Grünfläche an der Hans-Schulten-Straße seit den 1960er Jahren für eine Straßenbahntrasse freigehalten wird. Diese Bahn soll Neubrück an das Straßenbahnnetz anschließen. Im Planungsbeschluss für „Madaus-Gartenland“ wurde dies nochmals betont:
„Die Stadtverwaltung wird beauftragt, die Stadtbahnanbindung Neubrücks in enger Abstimmung mit den KVB umzusetzen … Ziel ist, dass die Strecke 2033 in Betrieb geht.“
Ein erheblicher Teil der Fläche muss also – wenn man den Beschluss ernst nimmt – für die Straßenanbindung von Neubrück freigehalten werden. Diese Tatsache nimmt die Beschlussvorlage mit einem Satz auf die leichte Schulter:
„Die geplante Verlängerung der Stadtbahn nach Neubrück wird mit dem geplanten neuen Grundschulstandort nicht negativ tangiert und in der Planung mitgedacht.“
Dafür eine Lösung zu finden, wird voraussichtlich nicht minder komplex als die aufgegebenen Planungen für eine Grundschule an den Kliniken in Merheim. Nur dass an der Hans-Schulten-Straße zusätzlich eine Grünfläche vernichtet wird.
Für ein gutes Leben in Brück, Neubrück und Rath/Heumar
Das BÜNDNIS FÜR DIE FELDER fordert deshalb eine übergreifende und zusammenhängende Planung. Keine Salamitaktik mehr, bei der immer weitere Flächen einzeln betrachtet und verplant werden. So entstehen Schäden für Klima, Umwelt und vor allem die Menschen im Kölner Osten.
Unabhängig davon, ob und wie die Planungen und die Bebauung der Grünflächen und Felder umgesetzt wird: Wir setzen uns für eine Stadtentwicklung ein, die das Wohnen der Menschen verbessert. Für ein gutes Leben in Brück, Neubrück und Rath/Heumar.
Zum Antrag: https://ratsinformation.stadt-koeln.de/vo0050.asp?__kvonr=131219
Peter Jüde